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Nervenschmerz nach Gürtelrose: Was bei Post-Zoster-Neuralgie hilft

Ältere Frau sitzt morgens auf der Bettkante und berührt vorsichtig ihre schmerzende Körperseite

Der Ausschlag ist längst abgeheilt, die Krusten sind weg. Und trotzdem brennt die Haut an der Stelle weiter, und schon der Stoff des Hemdes tut weh. Wenn der Schmerz nach einer Gürtelrose Wochen oder Monate bleibt, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sie ist behandelbar, aber sie braucht einen anderen Ansatz als gewöhnlicher Schmerz.

Was nach der Gürtelrose im Nerv zurückbleibt

Die Gürtelrose (Herpes zoster) entsteht, wenn das Varicella-zoster-Virus wieder aktiv wird. Es sitzt seit der Windpocken-Erkrankung in Nervenknoten und breitet sich bei der Reaktivierung entlang eines Nervs in die zugehörige Hautzone aus. Daher der typische Streifen auf einer Körperseite, meist am Rumpf, manchmal im Gesicht.

Bei den meisten Menschen klingt der Schmerz mit dem Ausschlag ab. Bei einem Teil hat das Virus den Nerv aber so gereizt oder geschädigt, dass er weiter Schmerzsignale sendet, ohne dass es dafür noch einen Anlass gibt. Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich. Auch ein besonders heftiger Schmerz in der Akutphase und ein später Behandlungsbeginn gelten als Risikofaktoren.

Wie sich der Schmerz anfühlt

Er ist selten einheitlich. Viele beschreiben mehrere Qualitäten zugleich:

  • ein Dauerbrennen oder dumpfes Ziehen,
  • kurze, einschießende Stiche wie Stromschläge,
  • Allodynie: Berührungen, die nicht wehtun dürften, schmerzen, etwa Kleidung, Bettdecke oder ein Luftzug,
  • Taubheit oder Juckreiz im selben Gebiet.

Das ist ein neuropathischer Schmerz. Er entsteht im Nervensystem selbst, nicht durch eine Gewebeverletzung. Deshalb hilft eine Wärmflasche selten, und viele klassische Schmerzmittel greifen schlecht.

Ab wann spricht man von Post-Zoster-Neuralgie?

Hier gehen die Definitionen auseinander. Häufig wird der Begriff verwendet, wenn der Schmerz nach dem Abheilen des Ausschlags länger als drei Monate besteht; manche Quellen setzen die Grenze schon bei einem Monat. Für Sie im Alltag ist die Zahl weniger wichtig als die Botschaft: Warten Sie nicht ab, bis die Schwelle erreicht ist. Je früher ein anhaltender Nervenschmerz behandelt wird, desto besser lässt er sich meist lindern.

Vorbeugen: Impfung und frühe Behandlung

Zwei Dinge können das Risiko senken. Erstens die Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Gürtelrose-Impfung mit dem Totimpfstoff für alle Menschen ab 60 Jahren sowie für Personen ab 50 mit erhöhtem Risiko, etwa durch eine Grunderkrankung. Ob und wann sie für Sie infrage kommt, klären Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Zweitens der schnelle Beginn der Therapie bei akuter Gürtelrose. Antivirale Medikamente wirken am besten, wenn sie früh gegeben werden, in der Regel innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags. Brennt es einseitig auf der Haut und bilden sich Bläschen, sollten Sie deshalb am selben oder nächsten Tag zum Arzt gehen. Über Auswahl und Dauer entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Wie der Nervenschmerz behandelt wird

Die Behandlung folgt den Prinzipien bei neuropathischem Schmerz. Es gibt mehrere Wirkstoffgruppen, die hier eingesetzt werden:

  • bestimmte Antidepressiva, die Schmerzsignale im Nervensystem dämpfen. Sie werden nicht wegen einer Depression verordnet,
  • Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin, die die Erregbarkeit der Nervenzellen senken,
  • lokale Mittel auf der Haut, zum Beispiel Lidocain-Pflaster oder hochdosierte Capsaicin-Pflaster, die in der Praxis aufgeklebt werden.

Ob ein Mittel passt, hängt von Alter, Begleiterkrankungen und anderen Medikamenten ab. Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel kommen vor, vor allem zu Beginn. Welche Wahl sinnvoll ist, entscheidet allein die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Setzen Sie verordnete Mittel nicht eigenmächtig ab.

Bleibt der Schmerz trotz Medikamenten stark, ist eine Schmerzambulanz oder Schmerztherapeutin der nächste Schritt. Dort kommen auch Verfahren wie TENS oder Nervenblockaden infrage, die individuell abgewogen werden.

Was Sie selbst tun können

Ein Schmerztagebuch hilft, Muster und Wirkung von Mitteln zu erkennen. Notieren Sie Stärke auf einer Skala von 0 bis 10, Tageszeit und Auslöser. Weiche, locker sitzende Kleidung aus glatten Stoffen reizt die empfindliche Haut weniger. Manche Betroffene empfinden eine kühle, aber nicht eiskalte Kompresse als angenehm, andere vertragen gar keine Berührung. Probieren Sie vorsichtig aus.

Nervenschmerz belastet auch den Schlaf und die Stimmung. Wer nachts wach liegt, sollte das offen ansprechen, denn Schlaf und Schmerz verstärken sich gegenseitig.

Wann Sie zum Arzt sollten

  • einseitiger, brennender Schmerz mit Bläschen, vor allem im Gesicht,
  • Bläschen oder Schmerz im Bereich von Auge, Stirn oder Nasenspitze: Augenbeteiligung ist ein Notfall und gehört schnell zur Augenärztin oder zum Augenarzt,
  • Schmerz, der vier Wochen nach dem Ausschlag nicht abklingt,
  • Gesichtslähmung, Hörstörung oder Schwindel zusammen mit der Gürtelrose,
  • Schlafmangel, Rückzug oder gedrückte Stimmung durch den Schmerz.

Bei plötzlicher Lähmung, Sprachstörung oder hängendem Mundwinkel rufen Sie die 112, das kann ein Schlaganfall sein. Welche Symptome grundsätzlich in die neurologische Praxis gehören, beschreibt die Seite Wann zum Neurologen? Symptome, die eine Abklärung brauchen.

Häufige Fragen

Bekommen alle nach einer Gürtelrose diesen Nervenschmerz?

Nein. Die Mehrheit erholt sich ohne bleibenden Schmerz. Das Risiko liegt bei älteren Menschen höher, die genaue Häufigkeit hängt von Alter und Studie ab.

Ist die Post-Zoster-Neuralgie ansteckend?

Nein. Ansteckend kann nur der Bläschenausschlag der akuten Gürtelrose sein, und zwar für Menschen ohne Windpocken-Immunität. Der Nervenschmerz danach ist es nicht.

Geht der Schmerz irgendwann weg?

Bei vielen lässt er mit der Zeit nach, bei manchen dauert es Monate bis Jahre. Mit einer passenden Therapie lässt sich der Schmerz in der Regel mindern, auch wenn er nicht bei jedem ganz verschwindet.

Kann eine Impfung nach der Gürtelrose noch sinnvoll sein?

Das kommt auf Ihre Situation an. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber, wann eine Impfung nach einer durchgemachten Gürtelrose passt.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. DGN: S2k-Leitlinie „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“, AWMF-Register 030-114.
  2. Robert Koch-Institut / STIKO: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, Epidemiologisches Bulletin (Empfehlung zur Herpes-zoster-Impfung ab 60 Jahren, Indikationsimpfung ab 50 Jahren).
  3. Finnerup N. B. et al.: Pharmacotherapy for neuropathic pain in adults: a systematic review and meta-analysis. Lancet Neurol. 2015;14(2):162–173.