Fast jeder kennt Kopfschmerzen — die meisten davon sind harmlos und gehen von selbst vorbei. Migräne ist etwas anderes: eine eigenständige neurologische Erkrankung mit einem typischen Beschwerdemuster. Wer den Unterschied kennt, kann besser einschätzen, wann ein normaler Spannungskopfschmerz vorliegt und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
TL;DR. Spannungskopfschmerz ist meist beidseitig, drückend und mäßig stark, Migräne dagegen oft einseitig, pulsierend, stärker und begleitet von Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Ein plötzlicher, ungewohnt starker Kopfschmerz oder einer mit Sprach-, Seh- oder Bewegungsstörung ist ein Warnzeichen und gehört sofort abgeklärt.
Spannungskopfschmerz: der häufigste Typ
Der Spannungskopfschmerz ist die mit Abstand häufigste Kopfschmerzform. Typisch sind:
- Beidseitiger, drückender oder ziehender Schmerz, oft wie ein „Band um den Kopf”
- Leichte bis mittlere Intensität, meist ohne Verstärkung bei körperlicher Aktivität
- Keine oder nur milde Begleitsymptome wie leichte Licht- oder Geräuschempfindlichkeit
- Dauer von 30 Minuten bis mehreren Tagen
Er hängt häufig mit Stress, Verspannung im Nacken- und Schulterbereich, Schlafmangel oder wenig Flüssigkeitszufuhr zusammen.
Migräne: mehr als „starker Kopfschmerz”
Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, keine schwere Variante des Spannungskopfschmerzes. Typische Merkmale einer Migräneattacke:
- Meist einseitiger, oft pulsierender oder pochender Schmerz
- Mittlere bis starke Intensität, verstärkt sich häufig bei körperlicher Aktivität
- Begleitsymptome: Übelkeit, manchmal Erbrechen, ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Dauer: unbehandelt typischerweise 4 bis 72 Stunden
- Bei einem Teil der Betroffenen: Aura — vorübergehende neurologische Symptome vor oder zu Beginn des Kopfschmerzes, meist Sehstörungen (Zickzacklinien, blinde Flecken), seltener Kribbeln oder Sprachstörungen
Nicht jede Migräneattacke zeigt alle diese Merkmale gleichzeitig — die Diagnose stützt sich auf das wiederkehrende Muster über mehrere Attacken.
Migräne mit Aura: Verwechslungsgefahr mit einem Notfall
Eine Migräneaura kann Symptomen eines Schlaganfalls oder einer TIA ähneln — etwa Sehstörungen, Kribbeln oder in seltenen Fällen Sprachschwierigkeiten. Der wichtige Unterschied: Eine Aura entwickelt sich meist über mehrere Minuten schrittweise und bildet sich vollständig zurück, während Schlaganfall-Symptome typischerweise sehr plötzlich einsetzen. Da diese Unterscheidung im Moment selbst schwierig sein kann — besonders bei einer erstmaligen Aura — gilt: im Zweifel wie bei einem Notfall handeln und den Notruf wählen. Mehr dazu: Schlaganfall-Warnzeichen erkennen: Der FAST-Test einfach erklärt.
Weitere Kopfschmerzformen, die abzugrenzen sind
| Kopfschmerzform | Typisches Muster |
|---|---|
| Clusterkopfschmerz | Sehr starke, einseitige Attacken um ein Auge, oft nachts, mit tränendem Auge/laufender Nase auf derselben Seite |
| Medikamenteninduzierter Kopfschmerz | Fast täglicher Kopfschmerz bei häufiger Einnahme von Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten |
| Zervikogener Kopfschmerz | Ausgehend von der Halswirbelsäule, oft einseitig, verstärkt durch bestimmte Kopfhaltungen |
Warnzeichen: wann ein Kopfschmerz sofort abgeklärt werden muss
Bei folgenden Anzeichen sofort den Notruf 112 wählen oder eine Notaufnahme aufsuchen:
- Plötzlicher, extrem starker Kopfschmerz („schlimmster Kopfschmerz des Lebens”)
- Kopfschmerz zusammen mit Fieber und Nackensteifigkeit
- Kopfschmerz mit Sprach-, Seh- oder Bewegungsstörung, die sich nicht wie eine bekannte Aura verhält
- Neu aufgetretener, ungewohnter Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr
- Kopfschmerz nach einem Sturz oder Kopfverletzung
- Kopfschmerz, der sich zunehmend verschlimmert über Tage bis Wochen
Wann zeitnah zum Neurologen, wann reicht erst der Hausarzt?
Eine neurologische Abklärung ist sinnvoll bei häufigen oder sich verändernden Migräneattacken, bei erstmaliger Aura, oder wenn Kopfschmerzen den Alltag deutlich einschränken. Gelegentlicher, eindeutig stressbedingter Spannungskopfschmerz kann zunächst beim Hausarzt besprochen werden. Allgemeine Orientierung: Wann zum Neurologen? Symptome, die eine Abklärung brauchen.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich Migräne von starkem Spannungskopfschmerz?
Migräne ist häufiger einseitig, pulsierend, geht mit Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher und verstärkt sich bei Bewegung. Spannungskopfschmerz ist meist beidseitig, drückend und ohne diese Begleitsymptome.
Ist eine Migräneaura gefährlich?
Die Aura selbst bildet sich in der Regel vollständig zurück. Da sie Schlaganfall-Symptomen ähneln kann, insbesondere beim ersten Auftreten, sollte im Zweifel eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Kann sich Migräne im Laufe des Lebens verändern?
Ja, Häufigkeit, Stärke und Begleitsymptome können sich verändern, auch mit dem Alter oder durch hormonelle Faktoren. Deutliche Veränderungen sollten ärztlich angeschaut werden.
Wie viele Kopfschmerztage sind noch normal?
Das ist individuell unterschiedlich. Als grober Hinweis gilt: Kopfschmerzen an mehr als etwa 10 Tagen im Monat, insbesondere bei regelmäßiger Schmerzmitteleinnahme, sollten ärztlich abgeklärt werden — auch wegen des Risikos eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes.
Hilft ein Kopfschmerztagebuch?
Ja, viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen, Häufigkeit, Dauer, Intensität und Begleitsymptome zu notieren — das erleichtert die Einordnung und die Wahl der Behandlung.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) e. V., Leitlinien Kopfschmerzerkrankungen; AWMF-Leitlinien-Register, Fachbereich Neurologie; Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).