Älterer Mann schreibt am Küchentisch einen Einkaufszettel von Hand

Der Einkaufszettel passt neuerdings auf die halbe Zeile, weil die Schrift zum Rand hin immer kleiner wird. Beim Spazierengehen schwingt der rechte Arm kaum noch mit, und die Schulter derselben Seite schmerzt seit Monaten, ohne dass der Orthopäde etwas findet. Gezittert hat bisher nichts. So unscheinbar beginnt Parkinson bei vielen Menschen, und manche Vorboten liegen noch weiter zurück: im Schlaf, beim Riechen, bei der Verdauung. Dieser Text hilft Ihnen einzuschätzen, welche frühen Zeichen Gewicht haben, welche für sich genommen wenig bedeuten und mit welchen Beobachtungen Sie zum Neurologen gehen sollten.

Warum Parkinson selten mit Zittern anfängt

Das Zittern ist das bekannteste Zeichen, aber nicht das entscheidende. Für die Diagnose verlangen die internationalen Kriterien eine Verlangsamung der Bewegungen, Ärzte sprechen von Bradykinese, und dazu mindestens eines von zwei weiteren Merkmalen: Muskelsteifigkeit oder ein Zittern in Ruhe. Ein Teil der Erkrankten zittert nie.

Die Krankheit selbst beginnt lange vor dem ersten Arztbesuch. In bestimmten Regionen des Gehirns gehen Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin herstellen, und das Gehirn gleicht den Verlust über Jahre aus. Erst wenn diese Reserve aufgebraucht ist, werden die Bewegungen sichtbar langsamer. Die Veränderungen betreffen aber früh auch andere Teile des Nervensystems, etwa den Riechkolben, Schlafzentren im Hirnstamm und die Nerven des Darms. Daher die Vorboten, die mit Bewegung zunächst nichts zu tun haben.

Vorboten ohne Bewegungsstörung

Fachleute nennen diese Phase prodromal. Vier Zeichen sind am besten untersucht.

Träume, die ausgelebt werden

Normalerweise ist die Muskulatur im Traumschlaf gelähmt. Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung fällt diese Bremse weg: Betroffene schlagen, treten oder schreien im Schlaf, oft passend zu einem Traum, in dem sie sich verteidigen. Meist bemerkt es der Partner zuerst. Von allen Vorboten ist dieser der aussagekräftigste. Ein großer Teil der Menschen, bei denen die Störung im Schlaflabor gesichert wurde und keine andere Ursache hat, entwickelt im Lauf von Jahren bis Jahrzehnten Parkinson oder eine verwandte Erkrankung. Gelegentliches Reden im Schlaf oder ein einzelner Albtraum zählen nicht dazu.

Nachlassender Geruchssinn

Kaffee riecht nach nichts mehr, das angebrannte Essen bemerkt erst der Besuch. Riechstörungen sind bei Parkinson sehr häufig und gehen den Bewegungssymptomen oft Jahre voraus. Allein sagt das Zeichen aber wenig. Viel öfter stecken eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen, ein überstandener Virusinfekt, Rauchen oder schlicht das Alter dahinter.

Hartnäckige Verstopfung

Auch der Darm arbeitet bei vielen späteren Parkinson-Patienten schon früh träger. Verstopfung ist allerdings in der Bevölkerung so verbreitet, dass sich daraus für den Einzelnen kein Verdacht ableiten lässt.

Niedergeschlagenheit und Angst

Depressionen und Angststörungen treten vor einer Parkinson-Diagnose gehäuft auf. Für sie gilt dasselbe wie für die Verstopfung: häufig, behandlungsbedürftig, aber kein Hinweis für sich.

Die ersten Zeichen an Hand, Arm und Gang

Deutlich mehr Gewicht haben frühe Veränderungen der Beweglichkeit. Typisch ist, dass sie auf einer Körperseite beginnen und dort über Monate bleiben.

  • Die Schrift schrumpft. Am Zeilenanfang noch normal groß, wird sie nach wenigen Wörtern eng und klein.
  • Ein Arm pendelt nicht mehr mit. Angehörigen fällt das eher auf als den Betroffenen selbst.
  • Feinarbeit stockt: Hemdknöpfe, Zähneputzen, Rühren, das Tippen auf dem Smartphone. Die Hand ist nicht schwach, sie wird bei wiederholten Bewegungen langsamer und die Ausschläge kleiner.
  • Schulter- oder Armschmerz auf einer Seite, der als Verschleiß oder „Frozen Shoulder“ behandelt wird und nicht recht besser wird. Dahinter kann die Muskelsteifigkeit stecken.
  • Ein Bein zieht nach, die Schritte werden kürzer, das Umdrehen im Bett fällt schwer.
  • Stimme und Gesicht: Die Stimme wird leiser und monotoner, das Gesicht wirkt unbewegt. „Du schaust so ernst“, hören Betroffene dann.
  • Zittern in Ruhe, wenn es auftritt: an einer Hand, die entspannt im Schoß liegt, oft beim Fernsehen oder Gehen.

Wer dagegen vor allem beim Halten einer Tasse oder beim Schreiben zittert, und zwar beidseits, hat häufiger einen anderen Tremor. Die Unterschiede beschreibt der Beitrag Zittern der Hände (Tremor): Ursachen, Formen und wann Sie zum Neurologen sollten.

Ein Zeichen allein macht keinen Parkinson

Die Forschungskriterien der internationalen Fachgesellschaft rechnen bewusst mit Wahrscheinlichkeiten: Jeder Vorbote verschiebt das Risiko etwas, erst die Kombination ergibt ein Bild. Diese Rechnung ist für Studien gedacht. In der Sprechstunde sagt sie für den einzelnen Menschen wenig voraus, und ein allgemeines Screening auf Parkinson gibt es aus gutem Grund nicht.

Praktisch heißt das: Schlechtes Riechen plus träger Darm ist kein Anlass zur Sorge. Anders liegt der Fall, wenn nächtliches Um-sich-Schlagen dazukommt oder wenn sich eine Hand seit Monaten ungeschickter anfühlt als die andere. Dann lohnt der Termin.

Verwechslungen gibt es in beide Richtungen. Bestimmte Medikamente, darunter Neuroleptika und einige Mittel gegen Übelkeit, können Beschwerden hervorrufen, die einem Parkinson täuschend ähneln. Umgekehrt werden frühe Parkinson-Zeichen gern dem Alter, einer Arthrose oder einer Depression zugeschrieben.

Was der Neurologe untersucht und was er noch nicht sagen kann

Die Diagnose entsteht im Untersuchungszimmer. Der Arzt lässt Sie Daumen und Zeigefinger schnell gegeneinander tippen, die Hände drehen, mit dem Fuß klopfen, aufstehen und einige Meter gehen. Er achtet darauf, ob die Bewegungen langsamer und kleiner werden, bewegt Ihre Arme, um die Muskelspannung zu prüfen, und beobachtet die Hände in Ruhe. Zum Ablauf gibt es den Beitrag zur Diagnostik der Parkinson-Krankheit.

Je nach Befund kommen ein Riechtest, ein MRT des Kopfes zum Ausschluss anderer Ursachen oder eine nuklearmedizinische Untersuchung der Dopamin-Transporter (DAT-SPECT) hinzu. Eine Verhaltensstörung im Traumschlaf lässt sich nur im Schlaflabor sichern.

Nicht immer steht am Ende des ersten Termins eine Diagnose. Sind die Zeichen sehr diskret, vereinbart der Neurologe eine Kontrolle nach einigen Monaten. Das ist kein Ausweichen, der Verlauf gehört zur Diagnostik. Einen Bluttest, der Parkinson in der Routine sicher nachweist oder ausschließt, gibt es bislang nicht. Verfahren, die das krankhaft veränderte Eiweiß Alpha-Synuclein in Nervenwasser oder Haut nachweisen, werden intensiv erforscht.

Was es bringt, früh Bescheid zu wissen

Eine Behandlung, die den Verlauf nachweislich aufhält, existiert derzeit nicht. Das sollte man wissen, bevor man sich wegen eines einzelnen Vorboten durch Untersuchungen schicken lässt. Trotzdem hat eine frühe Abklärung handfeste Vorteile:

  • Die Beschwerden bekommen einen Namen, und die Suche bei Orthopäden und anderen Fachärzten endet.
  • Die Bewegungssymptome sprechen auf Medikamente gut an. Wann damit begonnen wird, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam nach der Beeinträchtigung im Alltag.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität, Physiotherapie und bei Bedarf Logopädie werden von Beginn an empfohlen.
  • Schlafstörung, Verstopfung und Stimmungstief lassen sich einzeln behandeln, sobald klar ist, womit sie zusammenhängen.
  • Wer im Schlaf um sich schlägt, kann das Schlafzimmer sichern: scharfe Kanten polstern, Nachttischlampe und Glas außer Reichweite stellen.

Wann Sie sofort zum Arzt sollten

Parkinson entwickelt sich über Monate und Jahre. Alles, was plötzlich kommt, hat eine andere Ursache und duldet keinen Aufschub. Rufen Sie den Notruf 112 bei:

  • plötzlicher Schwäche, Taubheit oder Ungeschicklichkeit einer Körperseite,
  • hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen,
  • plötzlicher Gangunsicherheit oder Verwirrtheit.

Innerhalb weniger Tage sollten Sie einen Arzt sprechen, wenn Steifigkeit, Zittern oder Verlangsamung kurz nach Beginn eines neuen Medikaments auftreten, wenn Sie wiederholt stürzen oder wenn Sie sich oder Ihren Partner im Schlaf verletzt haben. Setzen Sie ein verordnetes Mittel nicht selbst ab, auch wenn Sie es in Verdacht haben.

Für langsam zunehmende, einseitige Veränderungen genügt ein regulärer Termin. Der Hausarzt überweist an den Neurologen.

Häufige Fragen

Ich rieche schlecht. Bekomme ich Parkinson?

Sehr wahrscheinlich nicht. Riechstörungen haben überwiegend andere Ursachen, von der Nasennebenhöhle bis zum Virusinfekt. Lassen Sie eine anhaltende Riechstörung zunächst beim HNO-Arzt abklären. Ein Fall für den Neurologen wird sie, wenn Bewegungsveränderungen oder auffälliges Verhalten im Schlaf hinzukommen.

Ist Parkinson erblich?

In den meisten Fällen nicht im engeren Sinn. Bei einem kleinen Teil der Erkrankten findet sich eine einzelne ursächliche Genveränderung, vor allem bei frühem Krankheitsbeginn oder mehreren Betroffenen in der Familie. Ein erkrankter Elternteil erhöht das eigene Risiko nur mäßig.

Mein Mann schlägt nachts um sich. Was tun?

Schildern Sie die Beobachtung dem Hausarzt oder Neurologen, am besten mit einer kurzen Videoaufnahme. Zur Sicherung dient eine Nacht im Schlaflabor, denn auch Atemaussetzer oder die periodischen Beinbewegungen beim Restless-Legs-Syndrom können unruhige Nächte verursachen. Bestätigt sich die Störung, bedeutet das ein erhöhtes Risiko und keine Diagnose. Regelmäßige neurologische Kontrollen sind dann sinnvoll.

Kann ich vorbeugen?

Einen gesicherten Schutz gibt es nicht. Beobachtungsstudien zeigen, dass körperlich aktive Menschen seltener erkranken. Ob die Bewegung selbst schützt, ist damit nicht bewiesen, schaden wird sie nicht.

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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Höglinger G., Trenkwalder C. et al. Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie, 2023. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. AWMF-Registernummer 030/010.
  2. Postuma R. B., Berg D., Stern M. et al. MDS clinical diagnostic criteria for Parkinson’s disease. Movement Disorders. 2015; 30(12): 1591–1601.
  3. Berg D., Postuma R. B., Adler C. H. et al. MDS research criteria for prodromal Parkinson’s disease. Movement Disorders. 2015; 30(12): 1600–1611.