Die Kaffeetasse klappert auf der Untertasse, die Unterschrift wird krakelig, der Schlüssel findet das Schloss nicht sofort: Zitternde Hände fallen im Alltag schnell auf und machen vielen Menschen Sorgen. Meist denken Betroffene sofort an Parkinson. Dabei gibt es viele Ursachen für einen Tremor, und die meisten sind harmloser, als befürchtet. Dieser Artikel erklärt, welche Formen des Zitterns es gibt, wie Ärztinnen und Ärzte sie unterscheiden und wann eine neurologische Abklärung sinnvoll ist.

Was ist ein Tremor?

Mediziner bezeichnen als Tremor eine unwillkürliche, rhythmische Hin-und-her-Bewegung eines Körperteils. Am häufigsten sind die Hände betroffen, aber auch Kopf, Stimme, Kinn, Beine oder der Rumpf können zittern.

Ein leichtes Zittern hat jeder Mensch. Dieser sogenannte physiologische Tremor ist normalerweise so fein, dass man ihn kaum sieht. Er wird erst sichtbar, wenn bestimmte Einflüsse ihn verstärken, etwa Aufregung, Kälte oder Erschöpfung. Krankhaft ist ein Tremor nicht schon deshalb, weil er zu sehen ist, sondern wenn er dauerhaft besteht, zunimmt oder den Alltag behindert.

Ruhe, Halten, Bewegung: Wann zittern die Hände?

Für die Einordnung ist weniger wichtig, wie stark die Hände zittern, sondern in welcher Situation. Neurologen unterscheiden vor allem:

  • Ruhetremor: Die Hand zittert, wenn sie entspannt im Schoß oder auf der Armlehne liegt. Bei einer gezielten Bewegung lässt das Zittern nach. Diese Form ist typisch für die Parkinson-Krankheit.
  • Haltetremor: Das Zittern zeigt sich, wenn die Arme gegen die Schwerkraft gehalten werden, zum Beispiel beim Vorstrecken oder beim Halten eines Tabletts.
  • Bewegungstremor: Die Hand zittert während einer Bewegung, etwa beim Schreiben, Einschenken oder Essen mit dem Löffel.
  • Intentionstremor: Das Zittern wird stärker, je näher die Hand ihrem Ziel kommt, zum Beispiel kurz vor dem Greifen eines Glases. Das weist auf eine Störung im Kleinhirn oder seinen Verbindungen hin.

Halte- und Bewegungstremor fassen Ärzte als Aktionstremor zusammen. Wer vor dem Arzttermin beobachtet, in welchen Situationen das Zittern auftritt, liefert bereits einen wichtigen Hinweis.

Die häufigsten Ursachen

Verstärkter physiologischer Tremor

Das normale, feine Zittern kann vorübergehend deutlich zunehmen. Typische Auslöser sind:

  • Stress, Angst, Lampenfieber
  • Müdigkeit und körperliche Erschöpfung
  • Koffein und Nikotin
  • Unterzuckerung
  • eine Überfunktion der Schilddrüse
  • Alkoholentzug
  • bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Asthmamittel, Antidepressiva, Lithium oder Valproinsäure

Fällt der Auslöser weg, bessert sich das Zittern in der Regel wieder. Wichtig: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht eigenmächtig ab, wenn Sie es als Ursache vermuten. Sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, der es verschrieben hat.

Essentieller Tremor

Der essentielle Tremor gehört zu den häufigsten Bewegungsstörungen. Kennzeichnend ist ein Aktionstremor beider Hände und Arme, der seit Jahren besteht; die internationale Fachgesellschaft für Bewegungsstörungen verlangt für die Diagnose eine Dauer von mindestens drei Jahren. Manchmal zittern auch der Kopf oder die Stimme. Oft sind weitere Familienmitglieder betroffen, und viele Betroffene bemerken, dass eine kleine Menge Alkohol das Zittern kurzzeitig dämpft. Als Behandlung taugt Alkohol aber nicht: Der Effekt hält nur kurz an, und der regelmäßige Griff zum Glas birgt das Risiko einer Abhängigkeit.

Der essentielle Tremor ist nicht lebensbedrohlich, kann aber beim Essen, Trinken und Schreiben stark stören und sozial belasten.

Parkinson-Krankheit

Bei Parkinson beginnt das Zittern meist auf einer Körperseite und tritt vor allem in Ruhe auf. Entscheidend für die Diagnose ist aber nicht der Tremor, sondern die Verlangsamung der Bewegungen: kleinere Schritte, ein Arm, der beim Gehen weniger mitschwingt, eine kleiner werdende Handschrift, Mühe beim Zuknöpfen. Hinzu kommt häufig eine Muskelsteifigkeit. Manche Menschen mit Parkinson zittern überhaupt nicht. Wie die Abklärung abläuft, lesen Sie im Beitrag zur Diagnostik der Parkinson-Krankheit.

Seltenere Ursachen

  • Erkrankungen des Kleinhirns, etwa bei Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall, führen zu einem Intentionstremor.
  • Dystoner Tremor: Zittern in einem Körperteil, in dem zugleich unwillkürliche Muskelanspannungen bestehen, zum Beispiel bei einem Schiefhals.
  • Orthostatischer Tremor: ein Zittern der Beine im Stehen, das sich vor allem als Standunsicherheit bemerkbar macht und beim Gehen oder Hinsetzen nachlässt.
  • Funktioneller Tremor: Das Zittern beginnt oft plötzlich, schwankt stark und nimmt bei Ablenkung ab. Es ist nicht eingebildet, sondern eine eigenständige, behandelbare Störung.
  • Morbus Wilson: eine seltene erbliche Störung des Kupferstoffwechsels, an die Ärzte bei jüngeren Menschen mit Tremor denken.
  • Erkrankungen der peripheren Nerven (Polyneuropathien) können ebenfalls mit einem Tremor einhergehen.

Essentieller Tremor oder Parkinson: die wichtigsten Unterschiede

  • Situation: Der essentielle Tremor zeigt sich beim Halten und Bewegen, das Parkinson-Zittern vor allem in Ruhe.
  • Seiten: Der essentielle Tremor betrifft meist beide Hände, Parkinson beginnt typischerweise einseitig.
  • Begleitzeichen: Verlangsamung und Steifigkeit sprechen für Parkinson, beim essentiellen Tremor fehlen sie.
  • Kopf und Stimme: Ein Kopfzittern oder eine zitternde Stimme passen eher zum essentiellen Tremor.
  • Handschrift: Beim essentiellen Tremor wird sie groß und zittrig, bei Parkinson eher klein und eng.

Diese Merkmale geben eine Richtung vor, ersetzen aber keine Untersuchung. Es gibt Überschneidungen, und auch erfahrene Neurologen brauchen manchmal Zeit und Verlaufskontrollen für eine sichere Zuordnung.

So läuft die Untersuchung beim Neurologen ab

Die Diagnose stützt sich in erster Linie auf das Gespräch und die körperliche Untersuchung. Der Arzt fragt, seit wann das Zittern besteht, in welchen Situationen es auftritt, ob es in der Familie vorkommt, welche Medikamente Sie nehmen und wie viel Kaffee und Alkohol Sie trinken. Bringen Sie am besten eine Liste aller Präparate mit.

Bei der neurologischen Untersuchung beobachtet der Arzt die Hände in Ruhe, beim Vorhalten und bei Zielbewegungen. Typische Aufgaben sind:

  • mit dem Zeigefinger die eigene Nase berühren,
  • eine Spirale zeichnen und einen Satz schreiben,
  • Wasser von einem Becher in einen anderen gießen,
  • einige Schritte gehen, damit Gangbild und Mitschwingen der Arme beurteilt werden können.

Je nach Befund kommen weitere Untersuchungen hinzu:

  • Blutuntersuchung, vor allem der Schilddrüsenwerte, bei Bedarf auch weiterer Werte; bei jüngeren Patienten wird ein Morbus Wilson ausgeschlossen.
  • Tremoranalyse mit Oberflächen-EMG und Bewegungssensoren, um Frequenz und Muster des Zitterns zu messen.
  • MRT des Kopfes, wenn der Verdacht auf eine Ursache im Gehirn besteht, etwa bei Intentionstremor oder einseitigem Zittern.
  • Nuklearmedizinische Darstellung der Dopamin-Transporter (DAT-SPECT), wenn sich ein Parkinson-Syndrom klinisch nicht sicher von einem essentiellen Tremor abgrenzen lässt.

Wie wird ein Tremor behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und danach, wie stark das Zittern im Alltag stört. Ein leichter Tremor, der kaum beeinträchtigt, muss nicht behandelt werden.

  • Auslöser beseitigen: Eine Schilddrüsenüberfunktion wird behandelt, ein auslösendes Medikament vom Arzt nach Möglichkeit umgestellt, der Koffeinkonsum reduziert.
  • Medikamente: Beim essentiellen Tremor kommen unter anderem bestimmte Betablocker oder Wirkstoffe aus der Gruppe der Antiepileptika in Frage, bei Parkinson Medikamente, die den Dopaminmangel ausgleichen. Welches Mittel passt, entscheidet der Arzt nach Begleiterkrankungen und Verträglichkeit.
  • Ergotherapie und Hilfsmittel: Schwereres Besteck, Becher mit Deckel, dickere Stifte oder die Spracheingabe am Smartphone erleichtern den Alltag spürbar.
  • Eingriffe: Bei schwerem Tremor, der auf Medikamente nicht ausreichend anspricht, kommen in spezialisierten Zentren die tiefe Hirnstimulation oder der fokussierte Ultraschall in Betracht.
  • Funktioneller Tremor: Hier helfen vor allem eine verständliche Aufklärung über die Diagnose, spezialisierte Physiotherapie und bei Bedarf Psychotherapie.

Wann Sie sofort zum Arzt sollten

Rufen Sie den Notruf 112, wenn ein Zittern oder eine Ungeschicklichkeit plötzlich auftritt und von folgenden Zeichen begleitet wird:

  • Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, hängender Mundwinkel,
  • Sprach- oder Sehstörungen, plötzliche Gangunsicherheit,
  • Verwirrtheit, hohes Fieber oder starke Unruhe,
  • Zittern mit Schwitzen, Herzrasen und Verwirrtheit nach dem Absetzen von Alkohol.

Zeitnah, also innerhalb weniger Tage, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn das Zittern nach dem Beginn eines neuen Medikaments aufgetreten ist, wenn es innerhalb von Wochen deutlich zunimmt oder wenn Gewichtsverlust, Herzklopfen und Schwitzen hinzukommen. Bei einem langsam zunehmenden Zittern ohne weitere Beschwerden genügt ein regulärer Termin, zunächst beim Hausarzt, der bei Bedarf an einen Neurologen überweist.

Häufige Fragen

Bedeutet Zittern der Hände immer Parkinson?

Nein. Ein verstärkter physiologischer Tremor und der essentielle Tremor sind deutlich häufiger. Für Parkinson spricht vor allem ein einseitiges Zittern in Ruhe zusammen mit verlangsamten Bewegungen.

Kann Stress allein die Hände zittern lassen?

Ja. Aufregung und Anspannung verstärken das normale Körperzittern, weil Stresshormone die Muskulatur stärker aktivieren. Dieses Zittern lässt nach, wenn die Anspannung abklingt. Hält es auch in ruhigen Phasen an, sollte es abgeklärt werden.

Ist ein essentieller Tremor erblich?

Häufig tritt er familiär gehäuft auf. Er kann aber auch ohne betroffene Verwandte entstehen, und nicht jedes Kind eines Betroffenen entwickelt einen Tremor.

Was kann ich selbst tun?

Beobachten Sie, wann das Zittern auftritt, und testen Sie, ob weniger Kaffee, ausreichend Schlaf und regelmäßige Mahlzeiten etwas ändern. Ein kurzes Handyvideo des Zitterns ist für den Arzt oft hilfreich, weil sich der Tremor in der Sprechstunde nicht immer zeigt.

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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Deuschl G., Schwingenschuh P. et al. Tremor, S2k-Leitlinie, 2022. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. AWMF-Registernummer 030/011.
  2. Höglinger G., Trenkwalder C. et al. Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie, 2023. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. AWMF-Registernummer 030/010.
  3. Bhatia K. P., Bain P., Bajaj N. et al. Consensus Statement on the classification of tremors, from the task force on tremor of the International Parkinson and Movement Disorder Society. Movement Disorders. 2018; 33(1): 75–87.