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Spannungskopfschmerz und Medikamentenübergebrauch: Wenn die Tablette den Kopfschmerz füttert

Frau am Schreibtisch reibt sich die Schläfen

Montag eine Tablette, Dienstag wieder, am Mittwoch schon vorsorglich, bevor die Besprechung beginnt. Nach ein paar Wochen ist der Kopf fast jeden Tag dumpf, und die Packung im Schreibtisch wird schneller leer als gedacht. Genau in diesem Muster kann aus einem harmlosen Spannungskopfschmerz ein zweites, hartnäckigeres Problem werden: der Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch.

So fühlt sich Spannungskopfschmerz an

Er ist die häufigste Kopfschmerzform überhaupt. Typisch ist ein beidseitiger, drückender oder ziehender Schmerz, oft als Band oder Helm um den Kopf beschrieben. Er ist leicht bis mittelstark. Treppensteigen oder Spazierengehen verstärken ihn nicht, Übelkeit gehört nicht dazu. Licht und Lärm stören höchstens ein wenig.

Genau das unterscheidet ihn von der Migräne, bei der der Schmerz meist einseitig pocht, sich bei Bewegung verschlimmert und mit Übelkeit einhergeht. Wer beides kennt, findet auf dieser Seite den Vergleich in Migräne oder normaler Kopfschmerz? So erkennen Sie den Unterschied.

Wie oft ist „oft“?

Die Internationale Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) unterscheidet nach der Häufigkeit:

  • selten: weniger als ein Kopfschmerztag im Monat,
  • häufig: an 1 bis 14 Tagen im Monat,
  • chronisch: an mindestens 15 Tagen im Monat, seit mehr als drei Monaten.

Für Sie heißt das: Zählen Sie. Ein Kalender mit einem Kreuz pro Kopfschmerztag und einem Vermerk, wann Sie ein Schmerzmittel genommen haben, ist aussagekräftiger als jede Erinnerung. Ärztinnen und Ärzte fragen genau danach.

Warum Tabletten den Schmerz am Leben halten können

Schmerzmittel helfen bei einzelnen Attacken. Werden sie aber über Monate an sehr vielen Tagen genommen, kann sich die Schmerzverarbeitung im Gehirn verändern. Der Kopf wird empfindlicher, der Schmerz kehrt früher zurück, die nächste Tablette folgt. Der Kreis schließt sich.

Die ICHD-3 beschreibt den Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz so: Wer schon eine Kopfschmerzerkrankung hat, bekommt an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen, und das, nachdem er länger als drei Monate Akutmedikation regelmäßig übermäßig eingenommen hat. Als übermäßig gilt:

  • bei einfachen Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen: an 15 oder mehr Tagen im Monat,
  • bei Triptanen, Opioiden und Kombinationspräparaten: an 10 oder mehr Tagen im Monat.

Die Grenze liegt bei Kombinationspräparaten, etwa mit Koffein, also niedriger. Wichtig: Es geht um die Zahl der Tage, nicht um die Menge pro Tag.

Woran Sie das Muster erkennen

  • Der Kopfschmerz ist morgens schon da oder kommt, sobald die Wirkung nachlässt.
  • Die Tabletten wirken kürzer oder schwächer als früher.
  • Sie nehmen Mittel „auf Vorrat“, um einem Schmerz zuvorzukommen.
  • Sie zählen die Packungen im Haus und beruhigen sich mit einem vollen Vorrat.
  • Sie lehnen Termine oder Reisen ab, weil Sie den Kopfschmerz fürchten.

Der Übergebrauch-Kopfschmerz kann Spannungskopfschmerz ähneln, aber auch Migräne nachahmen. Die Einordnung gehört in ärztliche Hände.

Eine Faustregel für den Alltag

Die Fachgesellschaften raten bei der Selbstmedikation von Kopfschmerzmitteln zu einer einfachen Regel: höchstens an 10 Tagen im Monat und nicht länger als an drei Tagen hintereinander. Wer diese Grenze regelmäßig überschreitet, sollte nicht weiter aufstocken, sondern mit der Hausärztin, dem Hausarzt oder einer neurologischen Praxis sprechen.

Was gegen den Spannungskopfschmerz selbst hilft

Der beste Hebel ist nicht die Tablette, sondern das, was zwischen den Attacken passiert. Auch in der europäischen Leitlinie zur Behandlung des Spannungskopfschmerzes (Bendtsen et al., 2010) spielen Maßnahmen ohne Medikamente eine feste Rolle:

  • regelmäßiger Ausdauersport, auch gemütliches Radfahren oder zügiges Gehen,
  • Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, die sich über Kurse oder Apps lernen lässt,
  • Schlaf in geregelten Zeiten und genügend Flüssigkeit über den Tag,
  • Pausen am Bildschirm, Haltungswechsel, Nacken und Schultern bewegen.

Bei häufigem oder chronischem Verlauf kann eine ärztlich verordnete vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Welche Wirkstoffgruppe infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Begleiterkrankungen und Verträglichkeit. Auch psychologische Verfahren wie Biofeedback und Stressbewältigung werden empfohlen, besonders wenn Anspannung der Auslöser ist.

Wie der Ausstieg aus dem Übergebrauch gelingt

Das Ziel ist, die Akutmedikation deutlich zu reduzieren oder zeitweise ganz zu pausieren. Die ersten Tage danach sind oft hart: Der Kopfschmerz kann zunächst zunehmen, dazu kommen Unruhe, Übelkeit oder Schlafprobleme. Das legt sich meist nach einigen Tagen bis wenigen Wochen. Danach sprechen viele Betroffene wieder besser auf Behandlung an.

Setzen Sie nicht auf eigene Faust Mittel ab, die Ihnen verordnet wurden, und vor allem nicht Opioide oder andere Präparate mit Entzugsrisiko. Das Vorgehen, eine begleitende Vorbeugung und gegebenenfalls eine stationäre Schmerztherapie plant die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Wann Sie zum Arzt sollten

  • Sie haben an mehr als 10 Tagen im Monat Kopfschmerzen oder nehmen Schmerzmittel an so vielen Tagen,
  • die Kopfschmerzen haben sich in den letzten Wochen deutlich verändert oder werden häufiger,
  • Sie sind über 50 und haben erstmals neue, ungewohnte Kopfschmerzen,
  • zusätzlich bestehen Fieber, Nackensteifigkeit, Sehstörungen, Verwirrtheit oder Krampfanfälle,
  • die Schmerzen sind nachts oder morgens besonders stark und werden durch Husten oder Pressen schlimmer.

Ein plötzlicher, nie erlebter Vernichtungskopfschmerz, Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsstörung sind ein Fall für die 112. Welche Beschwerden grundsätzlich abgeklärt werden sollten, steht auf der Seite Wann zum Neurologen? Symptome, die eine Abklärung brauchen.

Häufige Fragen

Sind rezeptfreie Schmerzmittel nicht ungefährlich?

Für gelegentliche Einnahme meist ja. Bei häufigem Gebrauch kommen Risiken hinzu: der Übergebrauch-Kopfschmerz, außerdem Magen-, Nieren- und Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen, je nach Wirkstoff. Auch freiverkäufliche Mittel sollten Sie also zählen.

Kann ich Übergebrauch haben, obwohl ich nur ein Mittel nehme?

Ja. Entscheidend sind die Tage pro Monat, nicht die Zahl der verschiedenen Präparate. Auch ein einzelnes Mittel kann, wenn es an zu vielen Tagen genommen wird, den Kopfschmerz unterhalten.

Ist Spannungskopfschmerz gefährlich?

In aller Regel nicht. Er belastet, schädigt das Gehirn aber nicht. Gefährlich sind andere Ursachen, die ähnlich beginnen können. Deshalb gehören neue, untypische oder zunehmende Kopfschmerzen in ärztliche Abklärung.

Hilft Wärme oder Massage?

Viele Betroffene empfinden Wärme im Nacken oder leichte Massage als wohltuend. Eine starke Wirkung auf die Häufigkeit ist dadurch nicht belegt. Regelmäßige Bewegung und Entspannung wirken auf Dauer besser.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia. 2018;38(1):1–211.
  2. Bendtsen L. et al.: EFNS guideline on the treatment of tension-type headache – Report of an EFNS task force. Eur J Neurol. 2010;17(11):1318–1325.